Wie lässt sich Nachhaltigkeit im OP konkret umsetzen, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Verfügbarkeit oder Anwenderfreundlichkeit einzugehen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich das folgende Interview mit Ad Donkerlo, das vor kurzem im niederländischen Fachmagazin Operationeel der Landelijke Vereniging van Operatieassistenten (LVO) erschienen ist.
Herr Donkerlo ist Business Unit Manager Orthopädie und Trauma bei unserem Partner Oudshoorn Chirurgische Techniek, der die BlueLavage® Anfang 2026 erfolgreich in den Niederlanden und Belgien eingeführt hat. Er berichtet über die Erfahrungen aus den ersten Monaten, die Vorteile nachhaltiger Medizinprodukte und darüber, warum sich der Blick auf vermeintliche Einwegprodukte zunehmend verändert.
Operationeel: Was unterscheidet die BlueLavage von anderen Systemen?
Ad Donkerlo: Der größte Unterschied liegt im Aufbau des Systems. Bei herkömmlichen Einwegsystemen wird nach jedem Eingriff alles entsorgt – einschließlich Elektronik, Antriebskomponenten und Batterien. Das erscheint heute einfach nicht mehr sinnvoll.
Bei der BlueLavage® befinden sich die gesamte Technik und der Akku in einer herausnehmbaren Antriebseinheit. Diese kann mehrere hundert Male wiederverwendet werden. Pro Eingriff wird lediglich das Handstück ausgetauscht. Dadurch wird verhindert, dass wertvolle Materialien wie Elektronikbauteile und seltene Rohstoffe nach nur einmaliger Nutzung verbrannt werden.
Das zeigt sich auch in der Umweltbilanz: Im Vergleich zu gewöhnlichen Einwegsystemen verursacht die BlueLavage® pro Eingriff rund 65 % weniger CO₂-Emissionen.
Darüber hinaus könnte das Kunststoff-Handstück gesammelt und zu Kunststoffgranulat verarbeitet werden, aus dem neue Produkte hergestellt werden. Auf diese Weise arbeiten wir Schritt für Schritt an einer Kreislauflösung.
Operationeel: Was bedeutet das für Logistik und Verfügbarkeit in Krankenhäusern?
Ad Donkerlo: Viele Systeme werden in Asien produziert. Die BlueLavage® wird in Deutschland hergestellt. Das bietet zwei wesentliche Vorteile. Erstens sind die Transportwege deutlich kürzer, was direkt zu einer geringeren CO₂-Belastung beiträgt. Zweitens ist man weniger abhängig von geopolitischen Entwicklungen und Störungen in den Lieferketten. Das schafft mehr Versorgungssicherheit.
Zusätzlich ist die Verpackung kompakter. Wir sparen etwa 30 bis 40 % Volumen ein. Das reduziert nicht nur den Transportaufwand, sondern auch den benötigten Lagerplatz im Krankenhaus.
Operationeel: Welche Erfahrungen machen Sie in der Praxis mit den Anwendern?
Ad Donkerlo: Die Anwender reagieren sehr positiv auf die intuitive Handhabung des Systems. Der Spüldruck ist konstant und zuverlässig, und das System liegt gut in der Hand. Für das OP-Personal verändert sich eigentlich nur wenig und genau das ist beabsichtigt.
Außerdem erhalten wir die Rückmeldung, dass viele es begrüßen, nun eine nachhaltige Alternative zu haben, die gleichzeitig praktisch und zuverlässig funktioniert. Nachhaltigkeit ist in Krankenhäusern ein wichtiges Thema geworden – nicht nur auf Managementebene, sondern insbesondere auch im klinischen Alltag.
Operationeel: Können Sie das konkretisieren?
Ad: Natürlich. Ein gutes Beispiel ist das blaue Transfer-Shield. Dieses wird aus recyceltem OP-Material hergestellt, beispielsweise aus OP-Mänteln und Abdeckmaterialien. Diese Materialien werden über unseren Partner GreenCycl zu Granulat verarbeitet und erneut eingesetzt. Auch die Antriebseinheit wird nach 200 Anwendungen zurückgenommen und recycelt oder wiederaufbereitet.
Operationeel: Wo sehen Sie Ihre Organisation in diesem Zusammenhang?
Ad: Für uns handelt es sich nicht um eine einzelne Produkteinführung, sondern um eine strategische Ausrichtung unseres Unternehmens. Wir möchten bewusster mit Rohstoffen umgehen und unsere Kunden dabei unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Dabei werden wir auch durch unsere Zugehörigkeit zur Asker Healthcare Group unterstützt, in der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt. Seitdem wir Teil der Gruppe sind, betrachten wir unser Sortiment und dessen Auswirkungen noch kritischer.
Die Umweltbelastung des OP-Bereichs ist erheblich. Gerade dort kann man mit vergleichsweise einfachen Entscheidungen einen spürbaren Unterschied bewirken. Die BlueLavage® ist dafür ein gutes Beispiel.
Darüber hinaus ist es uns wichtig, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit über einzelne Produkte hinaus zu fördern. Deshalb veranstalten wir speziell für OP-Fachkräfte am Freitag, den 20. November, die zweite Ausgabe des Nurse Day mit renommierten Referenten aus den Bereichen Orthopädie und Nachhaltigkeit im OP. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, zu inspirieren und gemeinsam zu erarbeiten, wie Nachhaltigkeit konkret in den klinischen Alltag integriert werden kann.